Ich behaupte, Ja!

Ist es Ihnen schon einmal so ergangen, dass Sie beim erstmaligen Betreten eines Raumes plötzlich ein ungutes Gefühl überrascht hat? Dass Sie sich unwohl fühlten, jedoch keinen ersichtlichen Grund für diese Unbehagen erkennen konnten? Ich habe es erlebt, lange bevor ich der Aufstellungsarbeit begegnet bin.

Wir waren damals auf der Suche nach einem Haus am Land und hatten schon die Gegend in der wir wohnen wollten ziemlich abgegrast, als ich auf ein Objekt stieß, das allen Voraussetzungen und Erwartungen zu entsprechen schien. Haus, Lage, Land, Zustand – es war erst vor einigen Jahren errichtet worden – alles schien dem zu entsprechen, was wir uns gewünscht hatten.

Zum ersten Besichtigungstermin erschien ich also voll Begeisterung. Aber kaum hatte ich meinen Fuß über die Schwelle gesetzt, verließ mich die Begeisterung und in mir stieg ein recht unbehagliches Gefühl hoch. Ich ging durch jeden Raum, inspizierte die praktisch und geschmackvoll eingerichtet Küche und die Nassräume. Alles passte, jedoch konnte ich dieses unangenehme Gefühl nicht loswerden. Auch der Preis war attraktiv. Ich konzentrierte mich also auf die sichtbaren Fakten und erbat mir von der Maklerin etwas Bedenkzeit. Ich versicherte ihr unser starkes Interesse. Das unangenehme Gefühl in meiner Magengrube versuchte ich erst einmal zu verdrängen.

Während der nächsten Tage dominierte dieses Haus die Gespräche zwischen meiner Partnerin und mir. Das Haus war auch verantwortlich für so manche schlaflose Nachtstunde. Ich vereinbarte einen zweiten Besichtigungstermin mit der Maklerin. An der Grundstücksgrenze blieb ich stehen und warf einen Blick in Gutsherren-ähnlicher Haltung über Land und Haus als wäre es schon unser Besitz.

Sobald ich das Haus betreten hatte, war dieses ungute Gefühl wieder da. Ich hatte Gänsehaut, aber keine Erklärung für diesen Zustand. So beschloss ich die Maklerin über die Noch-Besitzer zu befragen, was das für Leute sind, warum sie das Haus verkaufen wollen etc. „Die Verkäufer, ein junges Ehepaar, verkaufen das Haus, weil sie sich getrennt haben. Es hätte ein von Gewalt begleiteter Rosenkrieg in diesem Haus stattgefunden, es habe angeblich sogar Körperverletzungen gegeben“, eröffnete uns die Maklerin. Nun war mir auch die Ursache meiner Gänsehaut und negativen Gefühle klar. Wäre ich damals schon mit Aufstellungsarbeit vertraut gewesen, hätte ich wahrscheinlich gewusst was zu tun ist. Also habe ich das Haus nicht erworben. Es war mir zu sehr belastet. Ich hatte damals keine Ahnung, was ich tun könnte, die Erinnerung an den Rosenkrieg aus dem Gedächtnis dieses Orts zu löschen, und es für unsere Zwecke zu übernehmen.

Das Erinnerungsvermögen von Orten reicht oft weit über Generationen zurück. Mit Systemaufstellungen können wir Orte, Häuser, Wohnungen von Störungen befreien. Häuser, Grundstücke, Plätze speichern auf eine bisher unbekannte Weise frühere Geschehnisse, schreibt meine geschätzte Kollegin, Kristine Alex in ihrem Buch „Orte erinnern sich“. Diese früheren Geschehnisse werden von den heutigen Bewohnern wahrgenommen und unbewusst reproduziert. Die vergangenen Ereignisse interagieren mit den Energiefeldern der jetzigen Bewohner. So kommt es, ähnlich wie bei übernommenen Familienmustern, zu einer unbewussten Nachahmung von Verhaltensweisen. Beruflicher Erfolg oder Misserfolg kann beispielsweise von früheren Besitzern eines Gebäudes oder einer Wohnung nacherlebt werden.

Das Ortsgedächtnis berührt eine Vielzahl von Situation, wie z.B. Erbschaft. Wird eine Immobilie vererbt, hängt oft ein unbewusster Auftrag des Erblassers an diesem Objekt. Das könnte z.B. der Wunsch / Auftrag sein, das Objekt nicht zu verkaufen, sondern im Familienverband zu behalten. Wie viele aus Erfahrung oder Beobachtung aus ihrem Umfeld wissen, bricht eine solche Bedingung so manchen Familienstreit vom Zaun.

Manche Menschen finden ihr Zuhause nicht, egal welche Wohnung sie mieten oder kaufen. Das kann bedeuten, dass sie den Rucksack eines Vorfahren tragen, der aus seiner Heimat vertrieben worden war.

Warum ist ein Geschäft trotz bester Lage und Führung nicht, ein anderes an viel schlechterer Lage dagegen sehr erfolgreich. Dazu fällt mir ein Gastronomiebetrieb ein, der mich immer wieder erstaunt, dass er ob seiner Lage, Ausstattung und zurückhaltenden Freundlichkeit nach wie vor sehr gut besucht ist.

Ein Geschäft kann trotz bester Voraussetzungen erfolglos sein, weil vielleicht die Gründer und deren Arbeit nicht geachtet werden. Ein anderer Grund kann sein, dass die jetzigen Besitzer das Geschäft unter zweifelhaften Bedingungen und zum Nachteil der Vorbesitzer erworben haben. Stichwort „Arisierung“.

Der „richtige“ Arbeitsplatz beeinflusst Erfolg oder Misserfolg. Manche Gebäude schleppen Altlasten mit sich, die oft den Besitzern nicht bekannt sind, die jedoch Informationen von längst vergangenen Geschehen gespeichert haben, und die ein positives Arbeitsklima nicht hochkommen lassen. Wenn scheinbar alles richtig gemacht wird und trotz ernsthafter Bemühungen Erfolg sich nicht einfinden will, wird eine Aufstellung die Ursachen aufdecken und zur Entlastung beitragen können. Wie wir aus Erfahrung wissen, bringt oft das Hinschauen, dass die Ursache gesehen und geachtet wird, schon die Lösung.

Orte haben ein Gedächtnis, eine Art Seele. Sie speichern was in und um sie vorgeht, Treten wir unbewusst in Resonanz mit dem Teil einer gespeicherten Information, dann sind wir davon beeinflusst – im Negativen wie auch im Positiven.