… wenn man nichts damit tut. Diese Aussage habe ich wiederholt von Dr. Gunthard Weber während eines Seminars gehört, an dem ich vor kurzem teilnehmen durfte.

Schuldgefühle lohnen sich nicht, wenn man nichts damit tut!

Wenn wir Schuld auf uns geladen haben, oder auch nur der Ansicht sind, an etwas Schuld zu sein – ob wir es sind oder nicht – verlangt dieses Gefühl, dass wir darauf reagieren. Es verlangt, dass wir handeln, damit wir es loswerden und befreit durchatmen können. Wir alle kennen Situationen, wenn schon nicht aus dem eigenen Leben, doch zumindest als Beobachter, Freund, Berater, in denen Betroffene sich an ein Schuldgefühl klammern. Es geschieht auch nicht selten, dass tatsächliche oder vermeintliche Opfer energisch fordern, dass der oder die (vermeintlichen) Täter an ihrer Schuld und den begleitenden Gefühlen festhalten.

Schuldgefühle sind eine Aufforderung zum Handeln. Das bedeutet zuerst festzustellen, was das Schuldgefühl auslöst und es möglichst wertfrei anzuerkennen. Dann die Bereitschaft zur „Wiedergutmachung“ im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten zeigen und dementsprechend handeln.

Und wenn es nicht „unsere eigene Schuld“ ist?

Was können wir jedoch tun, wenn wir im Rahmen eines Systems dem wir angehören, zum Beispiel unserer Familie, unbewusst uns bereit erklärt haben, eine Schuld zu begleichen, die ein anderes Mitglied der Familie, oft aus einer früheren Generation, auf sich geladen hat? In solchen Fällen kann eine Familienaufstellung helfen und uns zur Ursache hinführen.

Ich habe es immer wieder erlebt, dass Klienten spüren, sie schleppen eine Last mit sich herum, aber nicht identifizieren können, woher dieses Gefühl kommt. Erst wenn die Verstrickung, der Bezug zur Ursache, z.B. zu einem Vorfahren und dessen „Schuld“ in einer Aufstellung sichtbar gemacht und der Schulden-Rucksack dort abgelegt wird wo er hingehört, ist ein befreiendes Durchatmen möglich. Dann haben sich auch die Schuldgefühle gelohnt!