Vor kurzem war ich in der Gruft der Caritas um einige Schuhe und Hosen abzugeben, die mir nicht mehr so richtig passen, die schlicht und einfach auch altmodisch sind. Wie lange wird sich der Stil der „Röhrlhosen“ noch halten? Wann werden wir wieder „gezwungen“ auf Hosen mit Glockenschnitt oder irgendein anderes modisches Modell umzusteigen?  Als ich meine beiden Säcke abgegeben hatte und an ein paar Gästen der Gruft vorbeigegangen bin, kam in mir die Frage hoch:

Sind wir eine „Zuvielisation“, oder die (Um-)Verteilung der Güter klappt nicht. Sicherlich beides! Wie viel und welche Art von Ballast schleppen wir mit uns?

Nun drängt sich aber eine weitere Frage auf. Warum hat der eine Mensch viel mehr als das Notwendige, lebt in Fülle, oft in Verschwendung, und der andere Mensch hat kein Dach über dem Kopf. Was sind die Voraussetzungen, die dem Einen so viel Vermögen in die Hand geben, dass er sich sogar höchste Staatsämter leisten und über den einen oder anderen Kanal kaufen kann, und der Andere hungern muss.

Wir kennen eine Reihe von offensichtlichen Voraussetzungen, die hier Einfluss haben. Man braucht sich nur die Statistiken der Wiener Bezirke ansehen um bestätigt zu haben, dass die Menschen in den sogenannten wohlhabenden Bezirken gesünder sind und länger leben. Zur kürzeren Lebenserwartung der Bevölkerung in den weniger privilegierten Bezirken gesellt sich auch die Bildungsarmut. Wie erklärt sich aber, dass es manche trotz schlechter Voraussetzungen zu Wohlstand bringen, oder zu Galionsfiguren in Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst werden und andere aus gutem Haus unter besten Voraussetzungen „versandeln“.

Ist das einfach Zufall, oder …?

Der Mensch tritt in diese Welt und beginnt seine Daseinsreise nicht ganz ohne Reisegepäck. Ein Neugeborenes mag wohl ganz ohne erscheinen, doch schleppt jedes von ihnen schon mehrere Rucksäcke, Taschen und Geräte mit sich. Das eine mag ihn auf diese Reise als gefühlte Marscherleichterung begleiten, zum Beispiel seine angeborenen Talente. Ein anderes Gepäckstück wiederum mag er als drückende Last empfinden, ohne es je inspiziert zu haben, ohne zu wissen, was er schleppt.

Jede und jeder von uns ist für diese Reise mit einem genetischen und einem epigenetischen Erbe ausgestattet. Man könnte vielleicht auch von einem energetischen Erbe sprechen, einer Weitergabe von Information, die in unserer DNA gespeichert ist. Zum Beispiel können das traumatische Erfahrungen eines Elternteils, oder auch eines weiter zurückliegenden Vorfahrens sein, die ein Neugeborenes als Last mitnimmt und das seinen Lebensweg prägt. Das sollten wir berücksichtigen, bevor wir uns eine Meinung über den Menschen bilden dem wir begegnen.

Vielleicht ist das auch eine Anregung über sich selbst zu reflektieren und sich in diesem Kontext zu fragen, wieso bin ich wie ich bin. Stoßen wir dabei auf mögliches Reisegepäck, das wir näher inspizieren wollen, lässt sich das meist sehr gut mit einer Methode aus der Aufstellungsarbeit sichtbar machen und ablegen.

Es ist Zeit für eine Marsch-Erleichterung

Euer Theo