Die heutige Form der Familienaufstellung hat ihre Wurzeln in den Beobachtungen und Versuchen des Familientherapeuten Bert Hellinger. Er gilt nicht nur als Begründer dieser Methode, sondern ließ auch eine Weiterentwicklung zu. Organisationsaufstellung (Gunthard Weber), Systemische Strukturaufstellung (Varga von Kibéd), Symptomaufstellung sind einige Ergebnisse, die in diesem Freiraum entstehen und wachsen konnten.

Mehrere bewährte Therapieformen haben mit ihren wertvollen Methoden zur Ausformung der Systemischen Familienaufstellung, wie wir sie heute kennen, beigetragen. Beispielsweise das Element des theaterähnlichen Darstellens innerer Vorgänge, das als „Psychodrama“ vom Wiener Psychiater Jacob Moreno entwickelt wurde. Auch war es der Einsatz von Hypnose durch den Psychiater Milton Erickson, der die im Unterbewusstsein verborgenen Ressourcen therapeutisch als „Hypnotherapie“ zu nutzen verstand. Besonders haben die von der Familientherapeutin Virginia Satir entwickelten Techniken der Familienskulptur und Familienrekonstruktion Hellingers Arbeit geprägt.

… in die sie eingebunden sind. In gewissem Maß sind sie diesen Systemen und den darin wirkenden Dynamiken ausgeliefert, meist ohne diese bewusst wahrzunehmen, und noch weniger verstehen zu können.

Wir haben gelernt, nach linearen Ursache-Wirkungs-Modellen zu denken, in denen die Frage nach einem angeblich entscheidenden „Grund“ leicht zu beantworten ist. Doch leben wir in sehr komplexen vernetzten Systemen mit vielen Einflussfaktoren, die unser eindimensionales Denken einfach überfordern.

Als Alternative bietet sich zirkulär-systemisches Denken an.

Durch seine Arbeit hatte Hellinger Ordnungsprinzipien entdeckt, die innerhalb eines Familiensystems wie Gesetzmäßigkeiten wirken, denen jedes in die Familie hineingeborene Mitglied unbewusst und bedingungslos folgt.

Fühlen sich die Angehörigen des Familiensystems frei und in Liebe miteinander verbunden, ist daraus zu schließen, dass dem Ordnungsprinzip entsprochen wird. Ist die Ordnung gestört, treten oft „unerklärliche“ schicksalhafte Verwicklungen auf.

Zum Beispiel zeigt sich immer wieder im Rahmen von Aufstellungen, dass einem Familienmitglied sein angestammtes Recht auf Zugehörigkeit zur Familie entzogen worden war. Nicht selten wurden früher oft geistig oder körperlich Behinderte vor der Außenwelt „versteckt“. Als Folge zeigt sich dann, dass sich ein Nachkomme mit dem ausgeschlossenen Vorfahren identifiziert und Aspekte aus dessen Leben nachlebt. Er nimmt sich des Unerledigten an.

Ein anderes Beispiel. Hat jemand aus einer Vorgängergeneration Schuld auf sich geladen und sich geweigert, die Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen, (indem er Einsicht zeigt, Buße tut, den angerichteten Schaden wieder gut macht), übernimmt ein Nachkomme die Rolle und sühnt, begleicht stellvertretend die offene Schuld. So binden Nachfahren ihre Lebensenergie häufig an das Schicksal eines Familienmitglieds aus einer der Vorgänger-Generationen.

Ein weitläufig bekanntes Phänomen ist, dass manche Menschen Unglück und Misserfolg scheinbar geradezu anziehen. Man fragt sich warum, und bei näherem Hinschauen zeigt sich dann eine Beziehung zu einem Vorfahren, dessen Leben Parallelen aufweist.

…werden in Aufstellungen sichtbar und erlebbar gemacht, die außerhalb unseres Blickfelds und unseres bewussten Wahrnehmungsfelds auf das System wirken und es beeinflussen. Aufstellungen bieten wirksame und heilsame Möglichkeiten, Verstrickung zu erkennen und nachhaltig zu lösen.

… sind das eigene und das system-kollektive Unterbewusstsein. Stellvertretende Personen oder Symbole ermöglichen während des Aufstellungsprozesses, ihre Mimik, Gestik und Bewegungen zu beobachten und ihre Wahrnehmungen abzufragen. Damit wird ein „bewegtes“ Bild gezeigt, aus dem sich eine Interpretation als Antwort auf die ursprüngliche Fragestellung (das Anliegen) ableiten lässt.

… beginnt immer mit einer klar definierten Fragestellung des Klienten. Dann wählt der Klient – unter Führung und im Einvernehmen mit dem Aufstellungsleiter – die erforderlichen Stellvertreter aus und stellt sie im Raum „möglichst intuitiv“ auf. Er lässt Information aus dem Unterbewusstsein in ein räumliches erstes Bild fließen, das einem erfahrenen Aufstellungsleiter auch erste wichtige Hinweise auf vorhandene Verstrickungen liefert. Eine Interpretation lässt sich z.B. ableiten aus der Relation, in der die Stellvertreter zueinander stehen, aus den Empfindungen, die sie verbal und körpersprachlich ausdrücken. Als Zuschauer seiner eigenen Geschichte gewinnt der Klient Erkenntnisse über Zusammenhänge zwischen individuellen Problemen und unbewussten Verstrickungen mit dem Familiensystem, aus denen Lösungsoptionen ableitbar und umsetzbar sind. Er nimmt aktiv am Lösungsprozess teil.

Auch Teilnehmer als Beobachter und Stellvertreter können für sich selbst bereichernde Erfahrungen aus einer Aufstellung mitnehmen.

… aus dem privaten wie auch dem beruflichen Umfeld können aufgestellt werden. Ob es die Beziehung mit Eltern, Kindern, Partnern betrifft, ob als Orientierungshilfe bei anstehenden Entscheidungen, jedes Anliegen, dem Ernsthaftigkeit zu Grunde liegt und für das eine ebenso ernst zu nehmende Antwort gesucht wird, kann aufgestellt werden. Reine Neugierde ist kein ausreichender Grund für eine Aufstellung. Das persönliche und kollektive Unterbewusstsein öffnet sich Fragen in dem Maß, wie sie in ihrer emotionalen Bedeutung für den Fragesteller von Gewicht und Wichtigkeit sind.

Ordnung ist nicht, wenn etwas an seinem Platz ist, sondern einen Platz hat!